Corona – ein Dreiklang in Dur oder Moll?

Chance oder Stillstand? Wie so oft alles eine Frage der Sichtweise. 

Hören wir Musik, finden wir beides. Betrachtet man Corona und die damit verbundenen Auswirkungen von außen, sind es wahrscheinlich eher Chancen, die durch Krisenzeiten entstehen. Schauen wir durch unsere eigene Brille, kann das schon ganz anders aussehen. 

Als optimistischer und begeisterungsfähiger Mensch entscheide ich mich dazu, Möglichkeiten und Potentiale zu sehen. Also Chancen zu ergreifen als attraktive Aussicht. Auch wenn es im Angesicht der Krise naiv erscheinen mag und einen Funken Risikobereitschaft fordert. Das klingt für mich nach Dur. 

Doch wie kann es Organisationen in Krisensituationen gelingen, Chancen für sich wahrzunehmen und „Corona in Dur“ zu hören? Auch das ist wieder eine Frage der Sichtweise…

Für mich gibt es drei wesentliche Aspekte, verbunden mit Fragen, die ich gern mit Euch teilen möchte. 

Der erste ist die Befriedigung unseres Bedürfnisses nach respektvollem Austausch und Beziehungen. Was brauchen die Menschen in meiner Organisation und in der Gesellschaft? Wissen die Anderen um meine Bedürfnisse und kann ich die der Anderen zulassen?

Krisen sind für mich Chancengeber: zu sehen, dass Einzelkämpfer nicht erfolgreicher sind. Denn das Verbinden mit Anderen stärkt uns Menschen und damit Strukturen und Organisationen, nicht nur auf emotionaler Ebene, sondern auch durch Intersubjektivität. 

Der zweite Aspekt ist unsere Haltung gegenüber Wissen und Erfahrung. Sind wir die allwissenden Superheld*innen oder haben wir genügend Demut vor unseren eigenen Vorurteilen und der Begrenztheit unserer Erfahrungen und Glaubenssätze? Sind wir achtsam genug, um in schwierigen Situationen zu erkennen, vieles anders machen zu müssen, als man es bisher getan hat? 

Krisen sind für mich Chancengeber: um zu sehen, wer wir sind. Also lasst uns diese annehmen und die Chance ergreifen, neu zu entscheiden, wohin wir wachsen wollen.

Der letzte Aspekt ist die Fähigkeit des Improvisierens und der Bricolage (frz. zusammentüfteln, rumbasteln). Hat meine Organisation die Widerstandsfähigkeit eine Krise zu bewältigen, ohne dabei gleichzeitig die Handlungsfähigkeit und den Sinn zu verlieren? Schaffe ich es aus einfachen und verbleibenden Mitteln, neue Lösungen zu improvisieren?

Krisen sind auch hier für mich Chancengeber: zu sehen, wie wichtig die Koexistenz von Stabilität und Flexibilität für die Widerstandsfähigkeit von Organisationen ist. Stabilität steht hier für den übergeordneten Sinn und Ressourcen; Flexibilität für das Handeln nach gegebenen Möglichkeiten. Das Produkt aus beidem ist dann Kreativität, die es einer Organisation möglich macht, auch in Krisenzeiten ihre Zukunft zu gestalten. 

Bevor ihr euch den Fragen nach Team-Bedürfnissen, der Haltung gegenüber dem inneren Superhelden und dem Improvisieren widmen könnt, gibt es zum Abschluss noch ein kleines How-to zum „Dreiklang aus Zuhören, Verstehen und Handeln“.

Der Grundton ist das Spüren und Wahrnehmen. Darauf aufbauend folgt das Verstehen und Reflektieren. Und der letzte Ton, das Handeln, bringt den Dreiklang dann zum Klingen. 

Ob in Dur, oder Moll, hört ihr selbst… wenn ihr wirklich zuhört.