Eine Liebeserklärung – oder: warum ich mag wie wir arbeiten

 

… hauptsache es ist ähdscheil (= agile). Und was war vor ähdscheil? Da hieß es noch Scrum. Flat Org, Ju:ähx (= UX), Pair programming, lean Start-up, MVP, Holacracy. Ach ja – und iterativ darf auch nicht fehlen. Buzzwordbingo vom Feinsten. Berlin ist Profi.

Ich bin nicht gespannt darauf, welche Sau die nächste ist, die voller Überzeugung durch große und kleine Dörfer getrieben wird. Viele schöne Vorhaben, verpackt in noch schönere Worte fangen an, mich zu langweilen. Können wir nicht einfach mal machen, statt zu planen, zu reden, zu hören, zu lesen und wieder von vorn anzufangen? Ich möchte Pläne Wirklichkeit werden lassen! Und damit meine kleine Arbeitswelt um einen bedeutenden Schritt besser machen. Das klappt manchmal gut und manchmal nicht so gut.

Heute war ein guter Tag: Selbststeuerung in Reinkultur mit krassem Energiebooster für die persönliche Stimmung (um es in den Worten meiner lieben Kollegin auszudrücken). Und das maximal effizient in 15 Minuten. Ein Traum.

Nach einer Veranstaltung im Themendunstkreis von ähdscheil entstand im kleinen Kollegenkreis kurz vor der Verabschiedung eine Diskussion, wie ich sie mir jeden Tag wünschen würde. Wir sprachen über das richtige Maß an Führung in einer Struktur ohne Chefs. Über transparente Gehälter und den Weg dorthin. Und über Beförderung (was für ein staubiges Wort). Ich fragte meine Kollegin aus meiner Rolle der Personalentwicklung heraus, wie sie sich denn in einer selbststeuernden Organisation den Prozess einer „Beförderung“ in die nächste Beratererfahrungsstufe wünsche. In der alten, bekannten Welt war das einfach: Mitarbeiter fragt Chef, Chef sagt ja oder nein.

Aber wir machen längst – schon ziemlich sichere! – Schritte in einer neuen Welt: ohne Chefs, mit Rollen, funktionalen Kreisen, Transparenz für alle, einem Entscheidungsprozess über Veto und dem Vertrauen, dass jeder Kollege so viel Urlaub nimmt, wie er braucht – und nicht zuletzt: jeder den Mut und die Reflexion aufbringt, Dinge von Angesicht zu Angesicht zu klären – auch wenn es mal weh tut. Die Basis für alles? Vertrauen und maximale Freude daran, die Arbeitswelten von heute und morgen selbst zu gestalten.

Auf meine Frage hin dachte meine liebe Kollegin nur einen klitzekleinen Augenblick nach und beschrieb dann den perfekten Prozess, als hätte sie nie anderes getan: Also, ich würde einen Pitch vorbereiten, sagte sie, und dazu alle Kollegen einladen. Ich würde Argumente aufführen, warum ich überzeugt davon bin, dass ich über meine augenblickliche Rolle hinausgewachsen bin und mit dem Vorschlag enden, meine Rolle entsprechend zu verändern – auch in finanzieller Hinsicht. Und dann würde unser bereits eingespielter Prozess zum Tragen kommen: Gibt es Verständnisfragen zum Vorschlag? Und reihum: gibt es Reaktionen? Soll der Vorschlag angepasst werden? Und dann die entscheidende Frage nach einem begründeten Veto. Kein Veto? Eingelocht.

Und ganz ehrlich? Genauso werden wir das testen. So macht das Spaß mit der Selbststeuerung. Alle drei Kollegen sind beseelt nach Hause gefahren. Voller Freude über gegenseitiges Vertrauen, Inspiration und das Gefühl, wirklich etwas zu bewegen in der großen Welt der Buzz-Words. In kleinen Schritten aber oho! Hammer Summer!